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Meine AFF-Ausbildung

 

 

Nach meinem erfolgreichen Tandemsprung habe ich mich für eine Ausbildung zum Fallschirmspringer entschieden.

Warum man aus Flugzeugen springen will? Einfach: Weil die Tür offen war.

Zunächst galt es sich dabei zu entscheiden ob man die „normale“ Ausbildung machen möchte oder lieber die AFF-Ausbildung bevorzugt.

 

Ich habe mich für die AFF-Ausbildung entschieden. AFF bedeutet Accelerated Freefall und heißt eigentlich nichts anderes als gleich in die Vollen zu gehen. Konkret bedeutet dies 3 Sprünge mit 2 Lehrern aus ca. 4000m Höhe, dann 4 Sprünge mit nur einem Lehrer und dann noch mindestens 16 weitere Sprünge bis zur Lizenz. Die Preise variieren von Platz zu Platz etwas, liegen im Schnitt aber um die 2.500,00 Euro. Schaut einfach mal auf das was inclusiv mit geboten wird, wenn Ihr Preise vergleicht (auch Entfernungen und Fahrtkosten beachten).

 

Die Theorie

Vor der Praxis ist zunächst eine kurze theoretische Ausbildung erforderlich. Dazu benötigt man normalerweise ein Wochenende. Zuerst gilt es ein paar grundlegende theoretische Kenntnisse zu erwerben. Das will ich hier gar nicht groß auswalzen, denn dafür findet ihr genug Info-Material im Netz.

Dann erfolgen ein paar praktische Übungen zu Falltechniken und dem Sprungablauf, der richtigen Freifallhaltung und auch zu möglichen Öffnungsstörungen und der Reaktion darauf (Abtrennübungen).

 

Hat man das alles gut absolviert gilt es sich für den 1. Sprung bereit zu machen.

 

Der 1. Sprung

Den 1. Sprung habe ich in Barth aus einer Cesna 180 mit einem Fallschirm Solo 230 und 2 Lehrern aus 4000 m Höhe absolviert.

Leider haben wir  die Ausbildung im gegenseitigen Einvernehmen dort beenden müssen, da wir terminlich einfach keinen Konsens gefunden haben. Trotzdem war die Ausbildung in Barth schön und es sind auch lauter nette Leute dort. Wir sind auch nicht im Bösen auseinander gegangen und ich werde bestimmt irgendwann noch einmal dort springen.

 

Ich habe die Ausbildung der Groundscool dann in Gransee bei GoJump noch einmal gemacht. Schön war die kleine Gruppe von Schülern (wir waren nur 3 Herren und eine Dame). So konnten wir sehr intensiv den Unterrichtsstoff durchnehmen und uns auf die Praxis vorbereiten.

Am 07.09. 2019 habe ich erfolgreich meinen AFF-Level 1 absolviert.

 

Der 1. Sprung  ist etwas ganz besonderes.

Bevor ich an diesem Tag realisieren konnte, dass es jetzt los gehen soll, kam Brian auf mich zu, sagte mir ich solle meinen Helm, die Brille und den Höhenmesser anlegen und ihm folgen. Er brachte mich dann zu Danny, der schon das Gurtzeug bereit hielt und los ging es mit dem Anlegen des Fallschirms. Rein in die Gurte (erst die Beingurte, dann den Brustgurt) und dann gut festziehen, beim Brustgurt eine Faust dazwischen Platz lassen. Jetzt den 3 x 3 Check machen (Beingurt rechts, Beingurt links, Brustgurt, Abtrenngriff Hauptschirm, Abtrenngriff Reserve, Griff für die Schirmöffnung, Helm, Brille, Höhenmesser). Und dann ging es auch schon zum Flugzeug. Dort saßen schon andere Springer drin und wir (die beiden Lehrer und ich) nahmen die Plätze ein. Dann kamen noch 5 Formationsspringer. Noch fix anschnallen und schon ging es los. Beim Aufstieg, der unheimlich schnell ging, wurde der Sprungablauf noch einmal durchgegangen, ich hatte Zeit mir die Wolkenhöhe einzuprägen und dann kam schon das Absetzsignal.

Das bedeutet, dass die Formationsspringer nach der Türöffnung nach unten verschwanden und Danny als Lehrer 1 sich nach außen an die Maschine begab. Dann ich als Schüler und im Flugzeug Jürgen als zweiter Lehrer. Die Hände liegen am  Türrahmen, der linke Fuß ist an der Ausstiegskante vorn positioniert und  das rechte Knie möglichst dicht am linken Fuß.

Man kniet also an der offenen Tür der Maschine und weiß, dass es nun wirklich losgeht.

Dann erfolgt der Sprung wie x-mal theoretisch durchgegangen: Check in, Blick zum Lehrer im Flugzeug, ok abwarten, dann check out, Blick zum Lehrer nach außen, ok abwarten, dann Flugzeug vorn anschauen, möglichst fixieren und dann hoch, runter und raus ....

Das habe ich alles mechanisch gemacht, weil am Boden oft genug geübt. Jetzt gilt es die  Freifallhaltung (X-Box) einzunehmen und stabil zu bleiben. Das ist noch eine Baustelle bei mir. Hier helfen die Lehrer auch mit, wenn erforderlich.

Ist man sich so weit sicher, dass man stabil fliegt, wird das Programm abgearbeitet.

Höhencheck

1. Beobachtungskreis, ok von den Lehrern abholen, erneuter Höhencheck, dann 3 Scheingriffe,

erneuter Höhencheck,

2. Beobachtungskreis mit ok von den Lehrern,

Dann ein kurzer Genuß des Freifalls mit Blick auf den Höhenmesser alle 2-4 Sekunden und dann das "no more work", "wave off" und "pull".

Nach einer Kurzen Öffnungsphase des Schirms (zähle: 1000,2000,3000,4000,5000...Kappencheck) hängt man dann hoffentlich an einem ordentlich geöffneten Fallschirm und kann nach dem obligatorischen Höhencheck und dem Beobachtungskreis die Funktionskontrolle durchführen (Rechtdrehung,Linksdrehung, Bremsung). Wenn alles ok ist beginnt jetzt der gemütliche Teil der Schirmfahrt mit Anflug auf den Aufenthaltsraum und der Planung des Landeanflugs.

Der Landepattern war bei mir gut geplant, aber es kommt halt nicht immer ganz genau so wie man denkt und so bin ich ein wenig über das Landekreuz hinweg gefahren und kurz dahinter nach dem Kommando "Flare, Flare, Flare" sauber mit einem Landefall gelandet.

Nun also Schirm aufnehmen und zu Fuß zum Hangar zurück.

Das war dann also der 1. Sprung. Gefühlt bleibt Adrenalin pur und ein großes Glücksgefühl es geschafft zu haben.